Ausgangslage und Ziele
Wirtschaftlich motivierte Arbeitskräftemobilität hat in ländlichen Regionen in den letzten Jahren zugenommen. Die Studie ging davon aus, dass die zeitweise Abwesenheit von Arbeitskräften die ehrenamtlich getragene Gefahrenabwehr in ihren Heimatgemeinden schwächen kann. Zum Zusammenhang mit der Einsatzbereitschaft Freiwilliger Feuerwehren fehlten bislang belastbare Erkenntnisse. Das Projekt (August 2024 bis März 2026) untersuchte deshalb, wie unter diesen Bedingungen die Tagesverfügbarkeit gesichert werden kann, und entwickelte Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft. Es wurde gemeinsam mit dem IAW Tübingen im Programm „Region gestalten“ des BBSR durchgeführt.
Ergebnisse
Grundlage waren eine Literaturanalyse, explorative Hintergrundgespräche, statistische Auswertungen der BAuA-Arbeitszeitbefragung und der Pendlerdaten der Bundesagentur für Arbeit durch das IAW sowie 35 Expert*inneninterviews in fünf Fallstudienregionen: Deggendorf, Nordfriesland, Elbe-Elster, Märkisch-Oderland und Jerichower Land. Hinzu kamen drei Interviews mit überregionalen Institutionen.
Etwa ein Viertel der Erwerbstätigen pendelt weit oder häufig. Fernpendeln über 150 km ist insgesamt selten. Es konzentriert sich auf bestimmte Berufe und auf ländliche Räume im Umland großer Metropolen.
In allen Fallstudienregionen entstehen tagsüber Lücken in der Einsatzbereitschaft, vor allem bei Atemschutzgeräteträger*innen, Führungskräften und Maschinist*innen. Ursache ist nicht die Arbeitskräftemobilität allein. Sie wirkt mit Abwanderung, Alterung, Fachkräftemangel und nachlassender Bindung an lokale Institutionen zusammen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Einsätze, Technik und Ausbildung. Vor Ort gibt es vielfältige Lösungsansätze, etwa gemeindeübergreifende Alarmierung, Kooperationen mit Arbeitgeber*innen, hauptamtliche Unterstützungsstrukturen und neue Wege der Nachwuchsgewinnung. Die strukturellen Probleme können sie jedoch nur teilweise ausgleichen.
Drei Befunde sind besonders kritisch. Arbeitskräftemobilität wird als Ursache fehlender Tagesverfügbarkeit politisch kaum thematisiert. Das Ehrenamt stößt an seine Belastungsgrenzen. Außerdem fehlen verlässliche Daten zur tatsächlichen Einsatzfähigkeit. Die Studie folgert, dass die Strukturen der lokalen Gefahrenabwehr stärker an die Lebensrealitäten der Engagierten angepasst werden müssen. Dazu gehört auch, die Feuerwehren in ihrer sozialen und demokratiefördernden Funktion ernst zu nehmen.
©AKFS
Laufzeit: August 2024 – März 2026
Publikationen
Dittmer, Cordula; Koch, Andreas; Lorenz, Daniel F.; Scheu, Tobias (2026): Stärkung der Risikovorsorge im Katastrophenschutz und der lokalen Gefahrenabwehr in ländlichen Räumen. Handlungsempfehlungen. Hrsg.: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Bonn. DOI: 10.58007/271m-d691
Dittmer, Cordula; Lorenz, Daniel F.; Koch, Andreas; Reiner, Marcel; Scheu, Tobias (2026): Großräumige Arbeitskräftemobilität als blinder Fleck der lokalen Gefahrenabwehr in ländlichen Räumen? In: Notfallvorsorge 3/2026, S. 14-23.
Messerschmidt, Marie-Luisa; Koch, Tobias; Dittmer, Cordula (2026): Die Freiwillige Feuerwehr Friedensau – Vielfalt als Ressource (Online-Beitrag). In: Region gestalten. Einblicke Nr. 2601. 12.01.2026.
Weiterführende Informationen und Ergebnisse zum Gesamtprojekt finden sich hier.
Kontakt
Akademie der Katastrophenforschungsstelle (AKFS) gGmbH
Dr. Cordula Dittmer
E-Mail: dittmer@a-kfs.de
Dr. Daniel F. Lorenz
E-Mail: lorenz@a-kfs.de
Projektpartner
Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) e.V. an der Universität Tübingen
Dr. Andreas Koch (Projektleitung)
E-Mail: andreas.koch@iaw.edu